Best claim ever

Da hat mich das Schicksal also nach Eglisau verschlagen. Ein kleiner hübscher Ort am Rhein, wo ich zuvor nicht ein einziges Mal in meinem Leben war. Auf der Suche nach einer neuen Bleibe für seinen alten Herrn stiess der kleine Nick eines schönen Tages auf das M20 Areal und meinte: «Da musst du hin – das passt zu dir». Das Gelände wird beim nächsten Design-Award für das schönste Schweizer Industriegebäudes mit Sicherheit keinen Preis gewinnen. Ist man erst einmal drinnen (also bei mir), kennt die Begeisterung dafür keine Grenzen mehr. Über eben diese fahren übrigens jeden Samstag Horden von Schweizerinnen und Schweizer rüber in den grossen Kanton, um daselbst Gammelfleisch zu erstehen. Derweil vor der örtlichen Migros zur gleichen Zeit fast ebenso viele Autos mit deutschen Kennzeichen parken, damit sich die Damen und Herren aus deutschen Landen mit horrend teuren (für deutsche Verhältnisse) Teigwaren und anderen Qualitätsprodukten eindecken können. 

Das Kola «Aus der Region. Für die Region.»

Es ist also durchaus etwas los im «Städtli» (Eglisauerisch für Downtown). Besonders bei schönem Wetter, wenn Millionen von Wanderwilligen die Strecke von Schaffhausen nach Eglisau unter die roten Socken nehmen. Noch berühmter als für sein schmuckes Städtchen ist Eglisau für seine Mineralquelle, in welcher von 1938 bis 1986 das legendäre Vivi Kola produziert wurde. Heute gehören Vivi Kola und die Schwesterfirma ViCafé dem Eglisauer Christian Forrer. Der ehemalige Grafiker hat die beiden Unternehmen mit viel Engagement und Herzblut aufgebaut und richtig, richtig erfolgreich gemacht: Bereits über 2’500 Gastrobetriebe kredenzen ihren Gästen Vivi Kola. Und die Genossenschaft Migros Zürich verkauft in ihren Filialen Vivi Kola mit «meinem» Label «Aus der Region. Für die Region.». 

In Eglisau sind die Vivi Kola Bar und das ViCafé Kult. Wer im Sommer in der Vivi Kola Bar (direkt am Rhein!) dinieren möchte, muss seine Platzansprüche meist schon Wochen im Voraus anmelden. Denn spätestens ab 17.08 steht ein Schild an der Strasse: «Alle unsere Plätze sind belegt!». Im Winter gibt’s hier übrigens Fondue. Obwohl die Blachen die Sicht auf den Rhein versperren und das Feeling definitiv nicht mit demjenigen im Sommer mithalten kann, ist der Käsetempel meist bis auf den letzten Platz belegt. 

Kaffee «Aus Eglisau. Für Zürich.»

2010 installierte Christian Forrer im ViCafé in Eglisau einen Mikroröster. Von diesem Tag an zog regelmässig der Duft von frisch geröstetem Kaffee durch die Untergasse. Die Nachfrage nach ViCafé ging ähnlich durch die Decke wie diejenige nach Vivi Kola. Obwohl es ja weiss Gott genügend Kaffeeanbieter gibt. Christian Forrer macht also offensichtlich eine ganze Menge richtig. Mittlerweile wird der Kaffee nicht mehr im Städtchen produziert. Sondern im alten Bahnhof von Eglisau. Denn das ViCafé hat längst das grosse Zürich erobert. Auch das gelang: ViCafés gibt es mittlerweile überall dort, wo die trendigen, urbanen People anzutreffen sind. Zum Beispiel am Bellevue, am Münsterhof und in der Europaallee. Sogar weiter unten am Rhein, z Basel, gibt es zwei ViCafés! 

Obwohl ich Fondue genauso liebe wie Kaffee und Kola, hat meine Begeisterung für Vivi Kola einen anderen Grund. Und mehr mit Buchstaben als mit kalten und heissen Getränken zu tun: Als ich vor ein paar Wochen die Webseite vivikola.ch aufrief, lachte mir ein Slogan entgegen, der mich vor lauter Begeisterung beinahe vom Stuhl gehauen hat. Besser, selbstbewusster und trendiger kann man Swissness wohl nicht kommunizieren. (Auch wenn der Satz mittlerweile nicht mehr ganz so prominent auf der Webseite erscheint wie bei meinem ersten Besuch). «Wir produzieren in der Schweiz – koste es, was es wolle!» 

Grossartig!